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02.11.11

Presse: Ein Engel aus der Hölle sorgt für Liebeswirren

Wolfschlugen. Das Ober- und Unteraicher Dorftheater bereitet ein trauriges Thema sehr unterhaltsam auf.

Von Tanja Liebmann, Stuttgarter Zeitung

Was haben Dampfnudeln, eine Wurst und ein bisschen Senf gemeinsam? Am Ende von „Om dr Hemmels Willa“, dem neuen Stück des Ober- und Unteraicher Dorftheaters, ist die Verbindung klar.
Im Mittelpunkt steht aber zunächst eindeutig Hans Dipfele (Andreas Steck). Romantisch sei er gewesen, erfährt das Publikum gleich zu Beginn von seiner Frau Erna (Martina Trontin). Ernas Vater Emil (Roland Zenner) hingegen schimpft, Hans habe ihm immer den Most geklaut und sein ein Säufer gewesen. Auch von Geldschulden bei Willi Saußele (Werner Schuster) und einem „sündigen Leben“ ist die Rede. Derjenige, über den da geschwätzt wird, kann sich übrigens nicht wehren: Hans Dipfele ist tot und eben erst beerdigt worden. Alle Darsteller tragen Schwarz.
Ein Einstieg mit Leichenschmaus – und das soll eine Komödie sein? Die Lacher im Gasthof Rössle in Wolfschlugen sind Antwort genug. Das Ensemble schafft es, dem auf den ersten Blick traurig wirkenden Stoff viele witzige Facetten abzugewinnen. Gleich im ersten Akt taucht Hans Dipfele auf der Bühne auf – im weißen Engelskostüm und mit Ruß verschmiertem Gesicht, so als käme er geradewegs aus der Hölle. Himmlische Flügel, so erfahren die Zuschauer, müsse er sich erst noch durch die „Stiftung dreier Ehen“ verdienen.
Schon in der Originalfassung „Ein Engel auf Bewährung“ von Erich Koch kann der gute Hans von niemandem gesehen werden – außer von seiner Frau. Auch in der schwäbischen Fassung von der Schwabenbühne Aspberg und der nun „verschärften Neubearbeitung“ von Andreas Steck führt diese Tatsache auf der Bühne zu Verwirrung. Ist Erna Dipfele verrückt? Oder wieso spricht sie mit dem leeren Raum?
Hübsch anzusehen ist es dabei, wie der unsichtbare Engel die diversen Romanzen „anfeuert“. Heiß kann es während der Aufführung übrigens auch den anderen Mitgliedern des Ober- und Unteraicher Dorftheaters werden. Denn traditionell tritt die Schwäbische Mundarttheatergruppe ohne Souffleuse auf. Bei Hängern kommen die Akteure oft kurz ins Schwitzen. Aber dann wird halt improvisiert.
Dabei schreckt die Gruppe nicht vor Derbem zurück und zielt manchmal direkt unter die Gürtellinie. Auffallend oft werden die Männer angegangen. Sauhunde und blöd, so schimpfen die Frauen, seien sie und „wie Wolken: Wenn sie sich verziehen, könnte es ein schöner Tag werden“. Fraglich ist, ob es dem rußigen Engel angesichts von so viel Boshaftigkeit gelingt, drei Männer an die Frau zu bringen. Es dürfen Wetten abgeschlossen werden.